2014 / 6 Juni

Rede zum 1. Jahrestag der Gezi-Proteste in der Türkei


Liebe Freundinnen und Freunde,

wir haben uns heute hier versammelt, um die Solidarität mit den Protesten gegen die AKP-Regierung in der Türkei zum Ausdruck zu bringen!

Vor einem Jahr begannen die Proteste im Istanbuler Gezi-Park. Aus dem Protest zur Erhaltung eines Parks, der Opfer einer skrupellosen Wachstums- und Gentrifizierungspolitik werden sollte ist ein landesweiter und international beachteter Protest gegen die sozialen und politischen Verhältnisse in der Türkei im allgemeinen geworden.

Heute geht es nicht mehr nur um die Zukunft eines Istanbuler Stadtparks. Es geht um die Frage, ob es einer reaktionären Herrschaftsclique gelingen kann mit Gewalt das Rad der Geschichte in der Türkei zurückzudrehen.

Die Hetzte gegen Kritikerinnen und Kritiker und das brutale Vorgehen der Regierung mit dem rücksichtslosen Einsatz von Polizeigewalt machen uns Fassungslos. Unzählige wurden inhaftiert und werden unter fadenscheinigen Gründen eingesperrt. Hunderte friedliche Aktivistinnen und Aktivisten sind während der Proteste schwer verletzt worden und etliche sind durch Gewalt umgekommen.

Erdogan und seine Machtclique wollen bewusst den Riss durch die Gesellschaft. Imperialistische Großmachtsphanatsien, Bespitzlung und Zensur wie wir sie nur aus Diktaturen kennen und die Zerschlagung der laizistischen Tradition zugunsten eines islamischen Staates.

Die Katastrophe von Soma hat gezeigt, wer hinter dieser Regierung und ihren Maßnahen steht: Es ist die Industrie, die Wirtschaft – kurz das große Geld!

Erdogan will eine Türkei, die blind den wirtschaftlichen Prinzipien des Neoliberalismus folgt und eine Bevölkerung, die sich diesem Diktat der Wirtschaft unterwirft. Protest oder gar Widerstand wird nicht geduldet und auf schärfste bekämpft.

Die Geschichte hat gezeigt, dass Regierungen, die ein System proklamieren in dem Macht gleich Recht bedeutet über kurz oder lang immer scheitern werden.

Liebe Freundinnen und Freunde, liebe Aktivistinnen und Aktivisten, der Kampf für soziale Gerechtigkeit und persönliche Freiheit war und ist immer international! Rund um die Welt gehen die Menschen für ihre sozialen Rechte auf die Straße. Jeder Fortschritt wurde immer erkämpft!

Auch wenn sie es gerne anders hätten: Erdogan und seine AKP  keine Erwählten, sie sind Gewählte!

Deshalb rufe ich euch persönlich und im Namen des Verbandes für den ich heute spreche zu: Lasst nicht locker und kämpft weiter gegen Ausbeutung, Unterdrückung und Gewalt.

In Frankfurt, in Istanbul, in der Türkei – weltweit!

Vielen Dank!

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